Biographie
„Alles geschah völlig unerwartet“, erinnert sich Albert Piltschikow, ein Bewohner aus Nabereschnyje Tschelny. „Ermittlungsbeamte warfen mich zu Boden, legten mir Handschellen an, zogen mich in einen Kleinbus und drohten, Gewalt anzuwenden.“ Im November 2020 wurde bei seiner Familie eine Hausdurchsuchung durchgeführt, im März 2026 nahm man den Gläubigen fest.
Albert wurde im Dorf Staryje Sauruschi (Tatarstan) in einer Bauarbeiterfamilie geboren. Er ist der älteste von drei Söhnen. Der Vater arbeitete als Monteur-Maurer, die Mutter als Stuckateurin und Malerin. Der Vater gewöhnte die Söhne schon früh an harte Arbeit: er lehrte sie das Bauhandwerk, die Führung eines Haushalts und die Arbeit im Garten. Er vermittelte ihnen die Liebe zu Sauberkeit und Ordnung. Die Familie verbrachte oft Zeit in der Natur – sie ging angeln, auch mit Übernachtungen.
Als Kind begeisterte sich Albert für Sport: er fuhr Ski, besuchte einen Wanderklub, ging auf Touren und spielte Fußball. Außerdem nahm er am Kunstunterricht teil. Die Ferien verbrachte Albert im Dorf, wo er seinem Großvater und der Großmutter im Haushalt half. Nach dem Schulabschluss besuchte er die Landwirtschaftsschule und erwarb einen Abschluss als Jurist.
Während die Kinder heranwuchsen, zog die Familie mehrfach um. Fünf Jahre lebten sie in der Stadt Perwouralsk (Gebiet Swerdlowsk), anschließend kehrten sie nach Tatarstan zurück. Dreizehn Jahre wohnte die Familie im Arbeitersiedlung Kamskije Poljany und danach etwa zehn Jahre in der Stadt Tschistopol.
Der Vater starb mit 42 Jahren, als Albert zwanzig war. Als ältester Sohn fiel ihm nun die Verantwortung für die Familie zu. Zuvor hatte er gemeinsam mit den Eltern in deren Bauarbeiterbrigade gearbeitet, danach fand er eine Anstellung als Verkäufer von Autoteilen.
Ende der 1990er Jahre lernte Albert die Zeugen Jehovas kennen. Er berichtete: „Das Studium der Bibel half mir, schlechte Angewohnheiten wie Fluchen und Alkoholmissbrauch abzulegen. Das Buch lehrte mich, ein moralischer Mensch zu sein, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, hilfsbereit und für andere da zu sein.“ Seinen Angaben zufolge veränderte der Glaube auch sein Verhältnis zur Familie: „Ich lernte, meine Eltern aufrichtig zu lieben und zu respektieren, ein treuer und verlässlicher Freund zu sein.“ Im Jahr 2003 ließ sich Albert als Zeuge Jehovas taufen.
2011 heiratete er Olesja. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und malt sowie liest gern in ihrer Freizeit. Gemeinsam mit Freunden reisen die Eheleute gern durch das Land, besonders zieht es sie in die Berge und zum Skifahren. Albert backt außerdem gerne Brot und kocht Gerichte verschiedener Nationen: Chinkali, Pizza, Pilaw, Kimchi. Er absolvierte einen Kurs im digitalen Zeichnen und fertigt Portraits an.
Alberts Mutter, die als Schwerbehinderte der Gruppe III gilt, und andere Verwandte machen sich aufgrund der Strafverfolgung gegen den Gläubigen Sorgen um das Ehepaar.
