Anatoli Marunow hinter Gittern während einer Gerichtsverhandlung
Anatoli Marunow hinter Gittern während einer Gerichtsverhandlung
Freilassung abgelehnt: Schwer erkrankter Gläubiger wird nicht vorzeitig entlassen
Der 72-jährige Anatoli Marunow bleibt weiterhin in Haft. Am 2. Juli 2026 verweigerte das Bezirksgericht Rasskasowo in der Region Tambow ihm erneut die Freilassung aus gesundheitlichen Gründen zum wiederholten Mal. Die Verhandlung fand per Videokonferenz statt, war nicht öffentlich und dauerte lediglich etwa 10 bis 15 Minuten.
Anatoli Marunow befindet sich seit Juli 2023 hinter Gittern. Während dieser gesamten Zeit kämpft er mit mehreren ernsten chronischen Erkrankungen: Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und einer Prostatahyperplasie. Bereits vor Beginn der Strafverfolgung erlitt er einen Hirninfarkt, ihm wurde die Gallenblase entfernt; Anfang 2025 wurde ihm eine Zystostomie gelegt.
Alfia, die ihren Ehemann Ende Mai 2026 besuchte, berichtete, dass es ihnen gelungen sei, die notwendigen Untersuchungen, Behandlungen und die gebotene Aufmerksamkeit des medizinischen Personals im Straflager zu erreichen. Allerdings bleibt die Ernährung im Straflager unzureichend und Anatoli verliert weiter an Gewicht. Im ersten Jahr seiner Haft hat er bereits mehr als 20 kg abgenommen. Nach seiner Inhaftierung wurde ihm von einer medizinischen Kommission eine Behinderung zuerkannt. „Tolja hat die II. Gruppe bekommen. Innerhalb eines Jahres im Straflager wurde aus einem gesunden Menschen ein Behinderter!“ sagte Alfia.
Der Richter hielt Anatolis Gesundheitszustand für ausreichend, um weiterhin im Straflager bleiben zu können. Die Verwaltung der Einrichtung sah ebenfalls keinen Grund für eine Freilassung und erklärte: „Während Marunows Haftzeit im Straflager wurde das Ziel der strafrechtlichen Sanktion, nämlich die Besserung des Verurteilten, nicht erreicht.“ Gleichzeitig stellte das Straflager Anatoli folgendes Zeugnis aus: „Gesellig, ausgeglichen. Kommt gut im Kollektiv zurecht. Vermeidet Konflikte. Gegenüber Vertretern der Verwaltung ist er höflich und taktvoll.“
Anatoli erhält Briefe aus vielen Ländern – manchmal Dutzende am Tag. Andere Inhaftierte begegnen dem Gläubigen mit Respekt: viele suchen seinen Rat oder Hilfe, einige kommen einfach, um mit ihm zu sprechen. Sie nennen ihn liebevoll Vater und Großvater und verwenden in seiner Gegenwart keine unhöflichen Ausdrücke.
Wegen seiner Treue zu seinen religiösen Überzeugungen muss Anatoli voraussichtlich noch etwa zwei weitere Jahre in Haft verbringen.



